Die Weltwirtschaft befindet sich im Wandel. Neue geopolitische Herausforderungen, protektionistische Tendenzen und der Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte prägen das aktuelle Wirtschaftsgeschehen. Wir haben mit Dr. Michael Heise, mehrfach ausgezeichneter Ökonom und ehemaliger Chefvolkswirt der Allianz, über die Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Deutschland und speziell für die Gemeinde Hallbergmoos und den Munich Airport Business Park gesprochen. Im Interview erklärt er, warum Diversifikation und Investitionen in Zukunftstechnologien der richtige Weg sind.
Ampel-Aus, Trump-Wiederwahl und eine Wirtschaft, die klagt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in Deutschland?
Dr. Heise: Die Wiederwahl Donald Trumps ist Fluch und Segen zugleich. Wir müssen einerseits damit rechnen, dass die USA ihre Handelsbeziehungen zu Deutschland überdenken und ihre eigene Wirtschaft vor allem durch Zölle stärker schützen werden. Andererseits hat es die Bundesrepublik lange nicht geschafft, die deutschen Binnenkräfte in der Wirtschaft zu aktivieren. Die protektionistische Politik Trumps macht das jetzt umso wichtiger. Damit steht Deutschland vor wichtigen Weichenstellungen. Wie kaum ein anderes großes Industrieland sind wir sehr stark von globalen Strukturen abhängig. Was wir nun brauchen, sind vernünftige Standortbedingungen, um Unternehmen anzulocken und zu halten. Mit dem Ampel-Aus verbindet sich die Hoffnung auf eine Besserung. Die Dreier-Konstellation in der Regierung war aufgrund großer Meinungsunterschiede kaum handlungsfähig.
Welche konkreten Maßnahmen sehen Sie als notwendig an?
Dr. Heise: Man sollte zunächst bei Maßnahmen ansetzen, die dem klammen Staat keine allzu hohen Einnahmeausfälle bescheren und schnell wirken. Ein wichtiger Punkt ist daher der Bürokratieabbau. Er wäre ein kostenloses Konjunkturprogramm. Zudem müssen wir die Arbeitsanreize verbessern und mehr Menschen in Beschäftigung bringen. Jüngste Entscheidungen für frühen Rentenbezug und Bürgergeldleistungen gehen in die andere Richtung. Die in Deutschland besonders hohen Lohnnebenkosten müssten sinken, damit sich mehr Leistung lohnt. Dasselbe gilt für Unternehmen: Wenn wir ihnen beispielsweise ermöglichen, 50 Prozent ihrer Investitionen direkt abzuschreiben, senden wir klare Signale und sorgen dafür, dass Investitionen und Innovationen gestärkt werden.
Sie haben kürzlich den Wirtschaftsstandort Hallbergmoos besucht. Wie bewerten Sie die Perspektiven der Gemeinde?
Dr. Heise: Die Gemeinde Hallbergmoos hat vieles richtig gemacht. Hier wird viel auf Diversifikation gesetzt. Das ist der Schlüssel zum langfristigen wirtschaftlichen Erfolg. Mit Investitionen wie O2 SURFTOWN MUC zeigt der Standort, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat. Besonders wichtig ist die Ansiedlung von Zukunftstechnologien – ob Umwelt, Technologie, Life Sciences oder Biotechnologie. Die Reputationseffekte dieser Branchen sind enorm.
Was macht einen Standort heute besonders attraktiv?
Dr. Heise: Es geht um eine Kombination aus verschiedenen Faktoren: Standortattraktivität, Freizeitaktivitäten und natürlich auch gute Löhne. Standorte, die diese Aspekte gut vereinen, haben heute bessere Chancen, qualifizierte Arbeitskräfte sowie starke Unternehmen anzuziehen und zu halten.
Welche Rolle spielt die internationale Vernetzung?
Dr. Heise: Die internationale Vernetzung bleibt wichtig, aber wir müssen uns breiter aufstellen. Die Clusterbildung, wie sie in Hallbergmoos zu beobachten ist, ist dabei ein vielversprechender Ansatz. Verschiedene, zukunftsorientierte Branchen an einem Standort schaffen Synergien und machen den Standort widerstandsfähiger gegen Krisen.
Vielen Dank für das tolle Gespräch!
Bildmaterial (c) Gemeinde Hallbergmoos